Bonsai-Geschichte

Seit jeher war das Schicksal des Menschen mit dem des Baumes eng verknüpft. Der Baum spendete Schutz, seine Früchte oftmals Nahrung, und sein Holz war für die vielfältigsten Zwecke nutzbar. Er wurde bereits vor mehreren Jahrtausenden gezüchtet, kultiviert und gestaltet.
Der Gedanken der Einheit von Mensch und Natur liegt auch der Bonsai-Kultur zugrunde, deren Ursprünge im Fernen Osten liegen. Vor etwa 2000 Jahren begannen die Chinesen mit dieser Kunst der Baumgestaltung. Natürlich gewachsenen Zwergbäume, denen man magische Kräfte nachsagte, wurden in Schalen gepflanzt und in den kaiserlichen Palästen aufgestellt.
Hunderte von Jahren später gelangte diese Kunst nach Japan und von dort in diesem Jahrhundert nach Europa. Die Bonsai-Zucht wurde in Japan zunächst hauptsächlich von Priestern des Zen-Buddhismus gepflegt und war für sie eine Form der Meditation. Für uns bedeutete die Bonsai-Kultur zunächst eine völlig neue Art des Umgangs mit Pflanzen. Viel mehr als nur eine Pflanze, ist ein Bonsai ein Kunstwerk, das in einem fortlaufenden Prozeß der Pflege und Gestaltung der Vollendung zustrebt, diese aber nie erreicht. Jeder Baum eignet sich zur Bonsai-Zucht; in diesem Buch werden jedoch die Arten vorgestellt, die in Europa heimisch und Bestandteil unserer natürlichen Umgebung sind.
Eine hohe Sensibilität für den Rhythmus der Natur, Geduld und Respekt vor der Schöpfung, die uns in der heutigen, verstädterten und so stark materialistisch orientierten Welt oftmals verloren gegengen sind, können wir durch den Umgang mit Bonsai wieder erlernen und damit auf neue Weise versuchen, die Kluft zu überbrücken, die sich zwischen uns und unserer einst natürlichen Umgebung aufgetan hat.



Red Canzian